Alle Stücke wurden aufgeführt oder eine Uraufführung ist geplant. Die Aufnahmen sind aus rechtlichen Gründen nicht öffentlich verfügbar. Alle Aufnahmen und Partituren können auf persönlichen Wunsch geteilt werden.

 

All pieces were performed or are scheduled for premiere. Due to legal issues recordings are not avaiable online. All scores and recordings can be forwarded on personal request.

Ich bin. Ich darf.

„Alles ist Kunst. Jeder ist ein Künstler.“ Lange Zeit wurde diese Parole wie ein Kampfspruch von Komponisten, Künstlern und Intellektuellen in der Zeit der selbst ernannten Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg plakatiert. Der Slogan verkörperte alles, wofür gekämpft wurde und spiegelte das Ideal der uneingeschränkten Freiheit und futuristischen Zukunftsvision wieder. Man sah sich als Vorreiter einer neuen Zeit, als Rebell und Revolutionär inmitten eines Aufstands gegen die Vergangenheit, die bürgerliche Gesellschaft, die konservativen Traditionen und die unaufgeklärte Masse. Doch diese Avantgarde, die Vorhut, die Soldaten an vorderster Front mit direktem Feindkontakt, war davon abhängig, dass es auch immer vorwärtsging. Sie lebte vom Fortschritt, stillte ihren Hunger nach ständiger Entwicklung und Neuerfindung durch immer weitere Entdeckungen unbekannter Welten und verborgener Ressourcen. Dafür brach sie mit allen Regeln der alten Meister, eingesessenen Gewohnheiten, der jahrhundertelangen Geschichte und den Geboten des guten Geschmacks.

 

Doch diese Avantgarde ist langsam in die Jahre gekommen. Man bedenke, dass die Vorbereitungen zum Beethoven Jahr anlässlich seines 250. Geburtstags in vollem Gange sind, dass Elliott Carter vor 110 Jahren geboren wurde, vor 105 Jahren Strawinskys „Le Sacre du printemps“ seine skandalöse Uraufführung erlebte, vor 90 Jahren das Ondes Martenot erfunden wurde, vor 73 Jahren Anton Webern starb und vor 72 Jahren die ersten Darmstädter Ferienkurse stattfanden, der Stuttgarter Kompositionspreis seit 62 Jahren vergeben wird, vor 47 Jahren das Experimentalstudio des SWR in Betrieb genommen wurde, das Ensemble Intercontemporain vor 42 Jahren gegründet wurde, die jüngsten Komponisten auf dem Eclat Festival 27 Jahre alt sind, Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ vor 22 Jahren vollendet wurde, Klaus Hubers Schriften und Gespräche „Umgepflügte Zeit“ vor 19 Jahren erschienen, das Ensemble ascolta seit 15 Jahren aktiv ist, vor 4 Jahren Martin Schüttler zum Professor für Komposition an die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart berufen wurde und vor 3 Jahren der Minusbolero von Johannes Kreidler auf dem Eclat Festival gespielt wurde. Das Eclat Festival spiegelt mit seinen 32 Ur- und deutschen Erstaufführungen (88 % aller aufgeführten Kompositionen) zuverlässig und aktuell mit einer Breite an eingeladenen Komponisten verschiedener Generationen und Stilistiken einen Abriss der Realität in der „Neuen Musik Szene“ wieder. Zur selben Zeit bricht auch Helene Fischer einen vor 31 Jahren von Tina Turner aufgestellten Rekord mit 5 ausverkauften Konzerten in einer Woche. 50.000 Fans sahen in der vor 35 Jahren gebauten Hanns-Martin-Schleyerhalle ein unvergessliches Spektakel der erfolgreichsten deutschen Schlagerkönigin aller Zeiten, während im Theaterhaus in vierzehn Konzerten das Eclat Festival veranstaltet wurde.

 

Kaum einer mag sich noch den Illusionen hingeben, dass die Neue Musik einmal wirklich politische und gesellschaftliche Umbrüche hervorbringen, ein breites Publikum offener Ohren erreichen, weiterhin das Streben nach ununterbrochenem Fortschritt halten können wird. Martin Schüttler bringt es in seiner Laudatio während des Eröffnungskonzerts zur Verleihung des 62. Kompositionspreises der Landeshauptstadt Stuttgart auf den Punkt, auf das eine Wort, welches sich wie ein roter Faden durch das gesamte Festival ziehen sollte: Stagnation. Äußerst trefflich ist in diesem Zusammenhang, dass Schüttler mit seiner Arbeit, die mit der Installation und den Nachtkonzerten des Kollektivs Stock 11 im Programm von Eclat vertreten war, selbst ein plastisches Beispiel eben dieser Stagnation ist.

 

Die Stagnation zeigt sich in vielen Formen und Ausprägungen, ebenso, wie es auch viele verschiedene Arten des Umgangs mit ihr gibt. Resignation, lähmende Ohnmacht, sinnlose Wutanfälle und Ausbrüche, leere Gesten, hoffnungslose Predigten, unverständliches Geschwafel, melancholische Nostalgie, beliebigen Eklektizismus, egomanische Selbstverherrlichung, kultivierten Exotismus, all das lässt sich im Verlaufe des umfangreichen Konzertprogramms wiederfinden. Ein weiterer Ansatz ist es, die Stagnation einfach zum Kernelement einer neuen und zeitgemäßen Kunst zu deklarieren und damit salonfähig zu machen. Modernität um der Modernität willen. Darum geht es in vielen Arbeiten. Es zeigt sich vor allem daran, dass es veraltet und außer Mode ist, nur noch für reine Instrumentalensembles zu schreiben oder in einem Medium zu arbeiten. Stattdessen stehen interdisziplinäre Versuchsprojekte, multimediale Mischformen, konzeptuelles Musiktheater, aleatorische Experimentalstücke und performative Vokalmusik im Mittelpunkt, obwohl all diese Wahrzeichen der Modernität schon lange nicht mehr provozieren, überraschen und faszinieren und eigentlich schon vor fünfzig Jahren zu Genüge behandelt und abgearbeitet wurden.

 

Zwei der wohl umstrittensten Stücke, die 2018 gleich an einem Abend nacheinander erklangen, fallen genau in diesen Bereich der erklärten Modernität. Das Erste verließ eine große Anzahl der Konzertbesucher schon nach kurzer Zeit, zum Zweiten erschien nur noch eine dezimierte Besuchergruppe, die noch nicht genug davon hatte, oder denen das für die Tickets ausgegebene Geld in ganz schwäbischer Anschauung einfach zu schade war, um das Konzert zu verpassen. „Principal Boy“ hieß die musiktheatrale Installation von Raphael Sbrzesny, für welche zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals auch die dem Theaterhaus angeschlossene Sporthalle bespielt wurde.

 

Langweilig, zäh, dumm, leer, so konnte man diese Veranstaltung empfinden. Doch wenn man genauer darüber nachdachte, musste man feststellen, dass es genau darum ging, eben das zu fühlen, weil es das ist, was in all den jungen Männern abgeht, die keine sinnvolle Lebensaufgabe haben, um ihre Kraft daran abzuarbeiten. Stattdessen staut sich ihre Energie, ihr Frust und ihre Wut immer weiter an und entlädt sich explosiv in rohen und stumpfen Gewaltakten, welche für Außenstehende kaum nachzuvollziehen und völlig unverständlich sind. Doch all das ist die brutale Realität, ist das, was unsere junge und moderne Generation terrorisiert. Terrorisiert wurde auch das Publikum, ihm wurde viel zugemutet. So die Frustration darüber, dass nichts passierte und dennoch eine angespannte Situation herrschte, ein ständiges Flackern zwischen hoffnungsloser Leere und teuflischen Wutausbrüchen. Die Luft in der Halle war beißend, nicht nur wegen des versprühten Deos stechend unangenehm und dennoch wurde man als Zuschauer kalt gelassen, nicht angesprochen, nicht emotional berührt.

 

Es handelte sich um ein schweres Thema, welches der Künstler für seine Performance ausgewählt hatte und man stellte sich dabei immer wieder die Frage, ob man das auch noch in einem Kunstwerk ertragen müsse? Kopfschütteln darüber, weil man wusste, dass man all diesen Männern an jeder Straßenecke begegnete, vor allem spät abends, wenn man mit der U-Bahn nach Konzertende zum Hauptbahnhof fuhr, diesen Gruppen von Halbstarken, besoffen oder high, in ihren hässlichen Jogginghosen und Trainingsjacken, die Kopfhörer mit fettem Beat und krassem Text im Ohr.

 

Der Text, welcher verteilt in einzelnen Fragmenten über die Lautsprecher von einer Stimme, keiner professionellen Sprechstimme, vermutlich der des Künstlers selbst, gesprochen wurde, war total Scheiße, wie es eine ältere Dame im Gespräch formulierte. Festgefahren im Versuch, poetisch zu sein und doch dauernd scheiternd an mangelnder Bildung oder Erfahrung in Rhetorik und Poesie. Er kann sich einfach nicht ausdrücken und dabei will er es doch so sehr. Es blieb, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten nur das coole Gehabe, der dröhnende Lärm und die pantomimische Gewalt. Einer der Männer hüpfte verzweifelt in seinem schweren, metallischen Skelett vor einer jungen, hübschen Frau auf und ab, wollte sie anmachen. Sein Blick war leer und starr geradeaus gerichtet, durch sie hindurch, mechanisch, entmenschlicht. Keine Musik, keine Sinnlichkeit war möglich in dieser großen und kalten Plastikhalle mit ihrem blendend weißem Licht. Die Performance versank in einer unergreifenden Sterilität.

 

Es ging um die Lost Boys, ohne zweite Chancen, ohne sichtbare Auswege, ohne lebensnotwendige Perspektiven. Diese Männer sind gefangen in einer Welt voller Erwartungen, Unfreiheiten und sozialen Problemen und Ungerechtigkeiten. Sie sind Poser. Sie suchen nach Fluchtwegen aus dem Getto und finden es im Extremismus, in der Radikalität, dem Feindbild, der militärisch geführten Hierarchie, dem Terrorismus, dem Märtyrertum. Trostlos, aussichtslos und belanglos.

 

Wer danach den Weg fand in den kleinen Konzertsaal durfte dort überraschenderweise das genaue Gegenteil erleben. Hier wurde der Kontakt mit dem Publikum von Anfang an gesucht, als man über die Bühne den Raum betreten musste und von der Schauspielerin Bierflaschen zum Trinken ausgehändigt bekam. Alles in „Sous Vide“ von Dmitri Kourliandski, Aliénor Dauchez, Dagmar Bock, ausgeführt von Ixchel Mendoza Hernandez drehte sich um die Direktheit, die Nähe, die Intimität. Ein Kühlschrank stand im Mittelpunkt, die Performance war klar und schlüssig, genau auf den Punkt gebracht, die Wirkung beengend, beklemmend und spannungsvoll konzentriert. Die Performerin war darin eingesperrt, die Geräusche des Kratzens, Quietschens, Reibens, die durch ihre eingeschränkten Bewegungen innerhalb des Schranks erzeugt wurden, erklangen verstärkt und mit einem Hall versehen intensiv und übersinnlich transformiert im Raum, kombiniert mit ambient-artigen Klängen elektronischer Musik. Hier stellte sich keine Unzufriedenheit mit der geringen Musikalität der Arbeit ein, nein die authentische Geräuschmusik und feine Begleitung, Untermalung und Kontrapunktierung erzeugte erst die passende Wirkung eines künstlichen Realismus. Denn was auf der Bühne geschah war ein Kunstwerk, war eine Performance und dennoch war es emotional ergreifend. Fragile Eleganz im Gegensatz zur maskulinen Gang aus dem Fitnessstudio.

 

Eleganz findet sich selten in Zeiten der Stagnation, dem auf der Stelle treten. Stattdessen sorgte die Globalisierung und weltweite Vernetzung über das Internet zu einer Überfülle an Verfügbarkeit. Kunst wurde zur inflationären Massenware, um das konsumorientierte Publikum glücklich zu stellen, fand ein ständiges Qualitätsdumping statt. Der Künstler wurde zum Prostituierten, zum Clown auf den sozialen Netzwerken, zum austauschbaren Objekt, billig und verkäuflich, wie fertig abgepacktes Dosenfutter mit nett designtem Style und knallig buntem Label als Eyecatcher. Dabei ging das Werk an sich vollends verloren und trat in den Hintergrund. Beliebigkeit, Willkür, Ignoranz, Banalität, die Kompositionen, welche auf dem Festival uraufgeführt wurden, strotzten nur so davon. Georgia Koumará schien im Angesicht ihres Auftrags scheinbar in Panik zu geraten, Ratlosigkeit und Verzweiflung machten sich in ihrem Stück breit, verbunden mit den Stimmen im Hinterkopf, die ständig dazu aufriefen, innovativ und cool sein zu müssen. Dadurch verfiel sie in einen Prozess der Anhäufung und Vermüllung mit überflüssigem und unbearbeitetem Material, blieb seelenlos und ohne eine persönliche Note, was vor allem im Verlauf des Konzertes 12 sehr schmerzlich auffiel, da die anderen Kompositionen alle klare und sehr prägnante Handschriften erfahrener Komponisten trugen. So etwa Sven-Ingo Kochs sehr feine und sensible Ausgestaltung einer zerbrechlichen Klangfläche aus mikrotonalen Melodien und kleinen, gestischen Elementen oder das nett gemachte Werk für Drumset, Keyboard und Ensemble von Stefan Keller, welches sich in einem reizvollen Spannungsfeld zwischen Jazz und moderner Musik befand.

 

Das Hipster- Dasein musste gewahrt und gerechtfertig bleiben. Am Beispiel von der Kompositionspreisträgerin Juliana Hodkinson zeigten sich diese Probleme vor allem an ihrem Werk für drei Akteure mit verstärkten Streichhölzern, einer 23 minütigen Orgie der Langeweile, der Dekadenz, des peinlich blödsinnigen Verhaltens eines Barons von Münchhausen. Wurde zwar schon bei Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ der Klang des Streichholzes eingehend thematisiert und in vielfältiger Symbolik und Ausdrucksweise präsentiert, so brachte diese rohe und konsequent reale Komposition doch eine neue Hörerfahrung mit sich. So führte dies durchaus dazu, dass man in den ersten Minuten mit wachen Ohren begeistert auf die leisen Klänge lauschte und achtete. Doch auch dieser Zauber ging schnell verloren und dann hielt sich nur noch der Gestank der abgebrannten Streichhölzer, das Mitleid mit den Musikern, die während der Aufführung wohl mehrmals der Gefahr liefen, sich die Finger zu verbrennen und die Ermüdung durch die monotone Gleichförmigkeit des simplen „Ratsch“ beim Anzünden der Hölzchen.

 

Zu lang waren die meisten gespielten Stücke, viel zu lang, dazu noch zu unscheinbar, zu wertlos, zu leer, zu billig, zu aufgesetzt, zu eintönig, zu klischeehaft, zu künstlich extrem, man könnte diese Liste noch ohne Probleme ins Unendliche weiterführen. Man stellte sich als Besucher die Frage, ob es sich dabei einfach um mangelndes Wissen und unverschuldete Unfähigkeit handelte oder um eine bewusst in kauf genommene Dummheit, ein absichtlich schlechtes Arbeiten die Ursachen dafür waren. Denn scheinbar waren die Fragen der Dramaturgie, der Formen, Proportionen und Strukturen, des Arbeitens mit dem musikalischen Material, mit Raum, Zeit und Inhalt völlig in Vergessenheit geraten oder sie wurden absichtlich ignoriert. Denn was stattdessen in das Zentrum der künstlerischen Tätigkeit rückte ist, ist die „Selbstverwirklichung“.

 

Jenes magische Zauberwort für all jene, die selbst keinen Charakter oder keine Persönlichkeit haben, sondern sich nur zum nächsten Star und Genie erklären wollen, um Anerkennung und Wertschätzung zu erlangen und eine scheinbar unentbehrliche Rolle im großen Weltgefüge einnehmen zu können. Selbstverwirklichung war nicht nötig, als noch Künstler als Idealisten ihre Arbeit mit Würde und Respekt vollbrachten, das Handwerk zur Meisterschaft führten, sich in Disziplin, Hingabe und Demut übten, nicht an Gefälligkeit oder einem Marktwert interessiert waren. Mit der wie selbstverständlich angenommenen Aussage der Künstler „ich will das“ stand das Selbst des Künstlers im Mittelpunkt und nicht mehr das Arbeitsergebnis. Joanna Bailies „Radio- Kaleidoscope“ war davor ebenso wenig gefeit, wie das scheinbar endlose Chorstück eines angesehenen Altmeisters und ehemals selbst ernannten Vorreiters einer Neuen Musik Bewegung wie Claus-Steffen Mahnkopf. Bailies größtes Problem mit der Aufführung, war wohl der störende Schatten des Mikrofonstativs im Bild ihrer eintönig und primitiv gestalteten Videoprojektion gewesen. Sie schuf für das Quatour Diotima eine unbedeutende und unergreifende Komposition, ohne Korrelation zu den leider ernüchternd faden und farblosen Aufnahmen eines Kaleidoskops, das zudem noch mit scheinbar wahllosen Radioausschnitten synkopiert wurde. Auf dem Festival wurde mehrmals mit John Cages Radio gearbeitet, dieser faszinierenden Quelle an Störklängen, fremden Musikausschnitten und Bezügen zum realen Alltag, die jedoch mittlerweile und vor allem in der Art der Verwendung, wie sie in den Stücken stattfand, einfach nur noch abgenutzt und altmodisch erschien. Und das graue Rauschen des Durchzappens zwischen Radiofrequenzen mag zwar aus heutiger Sicht für die Jugend nur noch den Wert einer Erzählung aus vergangenen Tagen haben und für die Alten melancholische Erinnerungen hervorrufen, doch ehrlich gesagt möchte es keiner mehr wirklich hören müssen.

 

Mahnkopf hingegen erschuf ein rein vokales Werk, welches ohne jedwedes Hilfsmittel, multimediale Erweiterungen oder konzeptuelle Besonderheiten auskam und von dem man nach Lesen des Programmtextes und in Anbetracht seiner Persönlichkeit große Erwartungen haben konnte. Doch auch das unter Rupert Huber vom SWR Vokalensemble fabelhaft aufgeführte 32 minütige Großprojekt floss einfach nur dahin, ohne Ecken und Kanten, ohne Spannung und Entspannung. Belanglos erschien der Text, musikalisch geschah kaum etwas und unbefriedigt blieben die Hoffnungen, die man sich gemacht hatte. Gescheitert, wie so viele groß ambitionierte Arbeiten unserer heutigen Zeit, Vergleiche mit dem Bau des neuen Stuttgarter Bahnhofs mögen naheliegen, es bleibt abzuwarten, ob S21 denselben Ausgang nehmen wird, wie Mahnkopfs Komposition, dass allen Beteiligten einiges abverlangte und sie an ihre physischen und psychischen Grenzen führte, ohne dabei zu einem zufriedenstellenden Resultat zu führen. So wie es den Politikern manchmal mehr um ihr Prestige und das Vermächtnis geht, welches sie hinterlassen wollen, geraten auch viele Komponisten dadurch ins Wanken, dass sie vor allem danach streben, Berühmtheit zu erlangen, um in die Bücher der Geschichte einzugehen als großartige Künstler und selbstherrliche Genies.

 

Immer egomanischer wurden die Arbeiten der Komponisten, allen voran Johannes Kreidlers One-Man-Show „Infinissage“. Hierbei handelte es sich um eine Sammlung alter Arbeiten, oder zumindest erweckten sie den Eindruck, dass sie nicht neu für diesen Anlass entworfen wurden, sondern einfach nur aus den Projekten der letzten Jahre zusammengetragen wurden. All diese Ideen und Konzepte hatten zwar einen interessanten Kern und waren teilweise wirklich humorvoll und lustig, doch trugen sie immer den fahlen Beigeschmack der mangelhaften Ausführung. Ein Schatten lag darüber, der entweder von fehlendem Talent, mangelndem Willen zu größerer Leistung herrühren konnte oder einfach davon kam, dass sich der Künstler keine größere Mühe geben wollte. Denn was daraus entstand, war eine immer wieder gleiche Schleife desselben Prozesses einer Show des Selbstmitleids und der Selbstdarstellung. Ein egozentrisches Ich stand im Mittelpunkt der Performance, wobei es nicht deutlich wurde, ob es sich bei diesem Ich nun um eine Kunstfigur, um ein Subjekt des Stückes handeln sollte, oder nicht wirklich einfach nur Johannes Kreidler selbst gemeint war. Für das Publikum wurde es somit teilweise peinlich, man fühlte Mitleid mit dieser sich abstrampelnden Ameise im Brennpunkt der Lupe auf der Mitte der Bühne, welche sich immer weiter wand und verfing in einem Schauspiel, das keines war, sondern ein Gerede ohne Abstraktion von der Person, die da sprach. Johannes Kreidler setzte sich selbst diesem harten Prozess aus, doch er blieb dabei immer Johannes Kreidler, das Opfer des Musikbetriebs und der Musikkritik, das selbst ernannte Enfant terrible, der verstoßene Skandalkomponist, stets missverstanden und unterschätzt, der letzte große Künstler mit seinen Meisterwerken, den nur von ihm erstmals gedachten Ideen der Konzeptkunst. All dies war kein Spiel mehr und auch die Komik der gesamten Situation täuschte nicht darüber hinweg, dass es letzten Endes ernst gemeint war, worüber einem vor Lachen an diesem Abend die Tränen kamen. Und diese teilweise sogar recht perversen und kindischen Späße, die der Komponist machte, zeigten, dass im Namen der Neuen Musik nichts mehr ehrenhaft und wertgeschätzt ist.

 

Der Respekt vor dem Material, der geschichtlichen Entwicklung und Tradition, den Arbeiten und Gedanken anderer Komponisten, dem Empfinden der Zuhörer, scheint im Zuge der großen Stagnation bei einigen Komponisten in Vergessenheit geraten zu sein. Dies führte oft zu einem Missbrauch der Freiheit, der unendlichen Fülle an Möglichkeiten, welche die zeitgenössische Kunst zu bieten hat. Im Gespräch über die Kollaboration „Daily Transformations“ mit Clemens Gadenstätter und Anna Henckel-Donnersmarck brachte Lisa Spalt zur Sprache, welche Folgen die „kollektiv gefühlte Einzigartigkeit“, die in unserer Gesellschaft vorherrschend und die Kunstwelt dominierend ist, hat. „Das System bewirkt nur, dass alle übereinander kriechen und irgendwie versuchen, nach oben zu kommen.“ Dennoch enttäuschte auch diese liebevoll und aufwendig gestaltete Arbeit, auch sie war einfach nur „typisch“ für unsere offene Welt ohne Regeln.

 

Eklektizismus ist in vielen Werken des Festivals zum Kernelement geworden, mit teils eher negativen Auswirkungen. Elena Rykovas „Thousand Splinters of a Human Eye“ für fünf abenteuerlustige Rohrblattinstrumentalist*innen und fünf neugierige Sänger*innen war ein Paradebeispiel für die Arbeit der ganz jungen Komponisten, die mit dem Internet und in unserem heutigen digitalen Zeitalter aufgewachsen sind. Es handelte sich dabei um eine bunte Collage, ohne inneren Kern oder Stringenz im Aufbau und in der Zusammenstellung. Vielmehr hatte man den Eindruck, dass der Künstlerin immer wieder beliebige Dinge ins Auge gefallen waren, die sie noch machen könnte, die doch noch ganz schön und nett wären, ach, die ihr noch gut gefallen würden, welche sie dann einfach nach freiem Belieben und Lust und Laune noch ins Stück gestopft hatte, sowohl musikalisch, performativ als auch visuell. Denn auch bei dieser Komposition handelte es sich natürlich nicht um eine reine musikalische Komposition, sondern auch um eine Bühnenshow, ein Theaterstück, eine Performance. Doch das Fahrrad, die stille Hauptperson des Stücks blieb einfach nur sinnlos und die pseudo- tiefgründigen, intellektuellen und provokativen Aussagen und Anspielungen wurden zu platten Sprüchen und ausgelutschten Schlagwörtern.

 

Das Internet und die damit einhergehende digitale Revolution erschuf eine neue Form der Elite, eine mehrheitliche Gruppe sieht sich nun durch die zur Verfügung stehende Informationsfülle, all die Aufnahmen, Artikel und Lexiken, als Universalgenies. Jeder weiß und kann alles, ein Selbstverständnis ohne Zweifel und Reflexion ist vorherrschend. Zitate und Anspielungen werden wahllos aneinandergereiht, es wird nach freier Lust und Laune kommentiert, kopiert, kritisiert. Doch all die aphoristischen Bezüge und oberflächlichen Beschäftigungen mit Politik, Wissenschaft, Philosophie, Psychologie, Theologie, Soziologie, Literatur, Kunst, … erscheinen aufgesetzt, so nullachtfünfzehn, nicht authentisch. Denn all die messianischen, genialen, besser wissenden Ansammlungen dieser eklektizistischen Kunstströmung erschaffen nichts als ein albern, kindisches, dilettantisches, rechthaberisches Potpourri, das nur durch das egoistische Selbstverständnis des großen, allmächtigen, befreiten Künstlers aufrecht erhalten wird. Doch auf Nachfragen und Kritik wird nur mit Gegenfragen wie „Was bedeutet es denn für dich?“ reagiert oder schnippisch und verletzt erwidert „Ich darf das doch.“, „Wir sind doch im 21. Jahrhundert.“, „Ich bin der Künstler, das ist doch meine Entscheidung.“. Aber letzten Endes kommt damit nur zum Ausdruck, dass sie selbst nicht wissen, was das alles bedeutet, was sie wirklich wollen, dass sie kein Bewusststein für ihre Entscheidungen haben.

 

Doch Entscheidungen treffen zu können, setzt auch ein gewisses Rückgrat voraus, bringt eine Verantwortung mit sich, deren sich viele Komponisten scheinbar nicht mehr bewusst sind. Denn jeder kann ja komponieren, Qualität ist ein Artefakt der alten aristokratischen Strukturen, eine fachkundige Ausbildung ist in Zeiten von Tutorial Videos und der do it yourself Bewegung nicht mehr nötig. Aber es ist und bleibt eine Illusion, dass ein Publikum nicht gute Musik in einem Konzert erkennen könne und dass man einem Werk nicht die Professionalität und Konsequenz der Erstellung anhören kann. So gelang es Gordon Kampe in seiner Operette „Schummellümmelleichen und schrille Tentakel“ für Daniel Gloger und ascolta ein mehrschichtiges und aus verschiedenen Stilistiken der populären und klassischen Musik zusammengesetztes Werk zusammenzustellen, das nicht nur gut gemacht und mit feinem Humor und kritischen Anspielungen gespickt war, sondern auch als wirklich eigenständige Arbeit Bestand hatte. Die musikalischen Charaktere waren plastisch und nachvollziehbar, Daniel Gloger ging in seiner Rolle förmlich auf, sie wurde ihm wortwörtlich auf den Leib geschrieben und auch die Instrumentalisten hatten ihre Freude an einer stimmigen Komposition, die ganz klar den Namen Kampes trug.

 

Explizit politische Stücke sind häufig zum Scheitern verurteilt, weil man, um explizite Politik zu betreiben, nicht auf musikalische Parameter eingehen kann, denn wie Lachenmann im Vorwort zu seinem „Marche fatale“ vortrefflich anmerkt, stellt sich die Frage „Kann man marschieren und zugleich hören?“ Man kann es wohl nicht, das müsste man schlussfolgern, nachdem man das Musiktheater „Anthroposcene- How to talk to clouds“ von Laurent Durupt, Fabian Offert und Jan Rohwedder zu sehen und hören bekommen hatte. Hierin ging es direkt um den von Donald Trump initiierten Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimavertrag. Doch gerade diese konkrete Ausgangssituation machte es so schwer, daraus ein Kunstwerk zu erschaffen. Denn alle Originaltöne und Aufzeichnungen blieben eben nur das, Mitschnitte aus unserer Wirklichkeit, während alles hinzugefügt Künstliche auch nur das blieb, ein Zusatz, der affektiert und kitschig wirkte und das ernste Thema total ins Lächerliche und Theatralische zog.

 

Das das Festival beschließende Werk „Jeder“ von Iris ter Schiphorst und Uros Rojko wollte ebenso deutlich Kritik üben, in diesem Fall an der Situation in der Neuen Musik Szene, diesem exklusiven, verkopften, pseudointellektuellen Haufen, verschiedenster Menschen. Denn was das Werk mit eingefügten Interviewzitaten unüberhörbar plakatierte, war eine Rückkehr zur absoluten Musik oder eben zum Verständnis, dass es in Musik nur um Töne ginge, um einzelne Klänge, die erst in ihrer Verbindung und Kombination auf scheinbar magische Art und Weise in uns emotionale Wirkungen hervorrufen. Schöne Worte und Sätze, aber mehr leider auch nicht, waren das, was man untermalt vom großen SWR Symphonieorchester unter Leitung von Manuel Nawri zu hören bekam. Es genügte nicht, einfach nur nette Gedanken auszusprechen und heilig salbende Sprüche zu verkünden. Wenn es einem ernst ist, was man sagt, dann muss man auch dafür einstehen und seine Meinung in die Realität umsetzten, Taten für sich sprechen lassen.

 

Es ist die alte Generation an Komponisten, denen man anerkennend eingestehen musste, in ihren uraufgeführten Arbeiten noch musikalische Gedanken ausformuliert und Qualität angestrebt zu haben. Auch Tristan Murails großer Zyklus „Portulan“ für bis zu acht Musiker und Georges Aperghis „Passwords“ für sechs Stimmen waren bei Weitem nicht perfekt, aber was für eine Komposition ist das schon, zumal die Entscheidung darüber auch etwas vom Standpunkt des Betrachters abhängig ist. Auch hier waren die Stücke vor allem zu lang, doch man spürte ihnen zumindest ihre Erfahrung und Reife an, ihre Selbstständigkeit ohne die Abhängigkeit von Gefälligkeit durch Modernität und Gruppenzwang. Aber vielleicht ist die Zeit auch einfach vorbei, in der es noch viel zu sagen gab in der Musik. Vielleicht geht es unserer Gesellschaft und der Kulturszene einfach zu gut, dass ihr nichts bleibt, als all ihre Skandale selbst zu inszenieren, sich selbst in ihrer Resignation zu bemitleiden, ihre künstlerischen Schwächen pompös zu glorifizieren.

 

Viele wanden sich angesichts dessen nach hinten in die Vergangenheit, die Arbeiten wurden nostalgisch. Kirsten Reeses „Light Green Rituals“ war eine Hommage an die guten alten Zeiten, damals, als alles noch besser war. Retro ist 2018 in Mode, nicht nur wenn man sich neueste Netflix Produktionen, die Spitzenreiter in den Chartlisten oder den hippen Kleidungsstil der Jugend ansieht, sondern auch die Avantgarde, die einstige Vorhut der Neuen Musik, wurde davon ergriffen. Doch die Gefahr dieser rückwärtsgehenden Kompositionsweise ist es, in Bedauern und Hinterhertrauern zu verfallen und aufgesetzt zu wirken, da die Persönlichkeit des Komponisten in den Hintergrund tritt. Dass eine Arbeit im Stile der Arte povera aus gewöhnlichem, alltäglichem, und einfachem Material jedoch auch gelingen kann, erwies Fabio Nieders „Eine alpenländische Volksweise von Krieg und Tod“, in der wohl sinnlichsten und harmonischsten Komposition des ganzen Festivals. Diese Betrachtung von Heimat und Tradition, der Rückkehr zu den Wurzeln in einem dennoch frischen und reinlichen Gewand, ohne den Geruch des Verwesens und des Staubs der letzten hundert Jahre, einer Komposition die dennoch Fragen aufwarf und Charakterstärke bewies.

 

In einem Festivalprogramm, das die Facetten der Stagnation in den Mittelpunkt stellte, tat sich einem die Frage auf, welche Auswege es geben könnte, um der derzeitigen Situation, diesem Teufelskreis aus aufgesetzt erzwungenem Fortschrittsstreben und kapitalistischer Überflussgesellschaft zu entkommen. Vielleicht könnte es helfen, sich des humanistischen Auftrags bewusst zu werden, der an einen Komponisten und Künstler gestellt wird. Er hat eine Pflicht gegenüber den Musikern, den Zuhörern und den Auftraggebern zu erfüllen, gleichzeitig aber auch die Chance und das Privileg, Kunst machen zu dürfen. Ihm wird es erlaub und ermöglicht, Werke zu erarbeiten, welche dann aufgeführt und präsentiert werden. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine einfache Arbeit, mit der man leichtfertig umgehen sollte, sondern sie sollte wertgeschätzt und mit Respekt behandelt werden. Der Idealismus eines Handwerksmeisters, die disziplinierte und hingebungsvolle Arbeit eines ständig Lernenden und Suchenden, die Hoffnung und Freude über das Geschenk der Kunst sollte wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Kunst braucht Zeit und einen frischen Geist. Musik sollte wieder einzig um der Musik willen komponiert werden, nicht um der Anerkennung oder Erwartung einer sozialen Gruppe, des Künstlers selbst oder der Modernität willen.

 

Roland Barthes sprach in einem Interview Folgendes, das ohne Weiteres auch übertragen werden kann auf die aktuelle Situation der Kunstmusik: „Deshalb wird ein verliebtes Subjekt, das von einer gewissen intellektuellen Kultur geprägt ist, in dem Moment, in dem es sich verliebt, sich äußerst verlassen fühlen.“ Es ist 1:30, ich sitze in der letzten Straßenbahn, allein. Eine seltsam bunte Mischung an Menschen umgibt mich, befremdlich und doch empfinde ich es als erfrischend und erregend, alles ist sehr beweglich, wer um die Zeit unterwegs ist, kann entweder nicht schlafen, will nicht schlafen oder hat schon genug geschlafen. Dasselbe gilt auch für das Publikum des Eclat Festivals. Man kann sehr gut nachdenken, während man den Konzerten lauscht und das Treiben der Zuhörer in den Pausen beobachtet. Ich sitze und warte und erlebe und denke nach und fühle. Ich fühle, dass in dieser Zeit, in dieser Welt, in dieser Gesellschaft oder sozialen Umgebung viel verloren gegangen ist, oder vieles verdrängt wurde und wir es uns nicht eingestehen, dass wir uns danach sehnen und dürsten. Ich denke, man sollte sich wieder Gedanken machen über die Sinnlichkeit, das aktive Erleben von Kunst, das sich im Herzen bewegen lassen. Ich liebe Musik, deshalb bin ich hier hergekommen. Man sollte den Mut aufbringen, wieder den Schönheitsbegriff in den Mund zu nehmen, ihn auszusprechen und sich damit auseinanderzusetzen, neue Wege zu suchen. Ich brauche viel Geduld, Zeit ist wichtig für die Kunst, für die Persönlichkeit, für das Leben.

 

Ich bin. Ich darf. Man sollte es als Aufforderung verstehen, als Herausforderung und Erinnerung an die Demut und Dankbarkeit dessen gegenüber, was wir in unserer Zeit haben, diese unglaubliche Freiheit und Vielfalt. Es handelt sich dabei um kein gottgegebenes Paradies, darf nicht als selbstverständlich hingenommen werden. De stagnierenden Entwicklung der wachsenden Beliebigkeit, Egozentrik und Ignoranz muss entgegengetreten werden. Das Ziel der Neuen Musik war nie, die Masse zu erreichen, zum Konsumgut zu werden, Stadien zu füllen und Besucherrekorde zu brechen. Neue Musik wollte nie auf billigen Kopfhörern unterwegs in der Shoppingmall gehört werden, auf großen Plakaten und mit Leuchtreklamen angepriesen und beworben werden, nie von einer Maschine entworfen und gespielt werden sondern von Menschen mit Herz und Geist. Es ging ihr nie um Unterhaltung und Popularität, sondern um Kunst, ein besonderes und einmaliges Erlebnis, für das man bereit ist, sich Zeit zu nehmen, Geld auszugeben und völlig von einer Erfahrung anregen zu lassen. Neue Musik sollte aus Liebe gearbeitet sein, sinnlich und tiefgründig, auratisch und intellektuell, persönlich und kritisch, einfach und doch komplex, auf den Punkt gebracht und vielfältig sein.

 

Nicht alles ist Kunst, aber alles kann Kunst sein. Nicht jeder ist ein Künstler, aber alle können Kunst machen und erleben. Das Eclat Festival 2018 wird schnell wieder vergessen sein, aber es wird seine Spuren hinterlassen. So wie ich beim Eclat Festival 2013 zum ersten Mal ein Konzert mit zeitgenössischer Musik zum hören bekam und daraufhin selbst zum Komponisten dieser Musik wurde, so wie ich 2016 erneut aufgewühlt und aufgerüttelt wurde von dem, was ich auf dem Festival zu hören bekam und danach intensiv an meiner Persönlichkeit und Handschrift arbeitete, hat auch das Erlebnis in Stuttgart 2018 einen Stein ins Rollen gebracht. Es ist meine Heimat, das Festival meiner Geburtsstadt, hier habe ich meinen Ursprung, fühle mich intensiv mit dem Ort und der Institution „Eclat“ verbunden. Und deshalb ist es mir auch so wichtig, es ist mir ein Herzensanliegen. So wie die Komposition, die Neue Musik, die geheime und versteckte Schönheit nach der ich strebe und die ich suche. Ein Festival bringt keinen Umbruch in der Kultur, wird die Szene nicht umstülpen und wird auch in paar Jahren nichts weiter sein als ein Datum in der Geschichte, welches langsam in der Vergangenheit versinkt. Doch wir leben im Heute. Im Jetzt. Und wir haben es in der Hand, was wir daraus machen. Wir wollen. Wir dürfen.

 

Lübeck, 9.2.2018