Die Komposition „began | because“ für vierstimmigen, gemischten Chor nach einem Gedicht von E. E. Cummings (1894-1962) ist ein kurzes Stück mit einem groß angelegten dramaturgischen Bogen. Die zunächst zerbrechlichen und in einer affektiven Beziehung zueinanderstehenden Stimmen einer vielfältigen, sensiblen, menschlichen Gemeinschaft (oder terrestrischen Gemeinschaft) stehen der uniformen, kräftigen und gewaltigen Macht des männlichen Gottes und des sich zum Gott machenden Mannes gegenüber. Diese Form der starken Gegensätze wirft im Zusammenspiel von musikalischer Gestaltung und textlicher Symbolik viele Fragen auf.
Wann („when“) und warum („why“) ist der Bruch vom Dasein der Menschen als Gemeinschaft der interdependenten Individuen hin zum Kampf imaginierter Souveräne entstanden? Wann und warum sind die resonanten Beziehungen aller Lebewesen durch die Vorstellung eines allmächtigen und herrschenden Schöpfergottes ersetzt worden? Wann und warum hat sich die Menschheit im Anthropozän der reinen Zerstörungslust und Ausbeutung hingegeben? Wann und warum wurden die sorgenden Abhängigkeiten und sich einander nährenden Systeme ihrer Lebensgrundlage entzogen? Wann und warum hat das Patriarchat gesiegt und sich in allen Bereichen der menschlichen Welt festgefressen? Und zuletzt: würden die Menschen in ihrer grenzenlosen Raserei bis zu ihrer eigenen Vernichtung gehen?
Im schwachen und stillen Ende eröffnet sich jedoch die fragile Perspektive und Hoffnung auf eine andere Entwicklung, auf einen Neuanfang, eine neue Männlichkeit und neue Göttlichkeit, eine neue kosmische Gemeinschaft basierend auf einem anderen Grund und entspringend aus einer neuen Geburt.